Wunschzettel

There are no products on the wishlist!

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Wie das Universum ein Arschloch wurde

Buchschreiben ist ein spannender Prozess. Am Ende zwar ein erfüllender, aber auf dem Weg dorthin nicht unbedingt ein angenehmer. Und schon gar nicht ein einfacher. Und was Entscheidungen betrifft auch kein gnädiger. 
In der Konzeptionsphase von Das Universum ist ein Arschloch hatte ich ursprünglich eine ganze andere Struktur für das Buch vorgesehen gehabt. Im Kern sollte es zwar immer schon eine Reiseerzählung werden, ich wollte aber damals viel mehr aus der Zeit vor und nach dem Selbstfindungstrip nach Asien mit einfließen lassen.
Ganz am Anfang hätte es deshalb auch mal 6 statt der nun 4 weiblichen Gurus gegeben.
4 auf der Reise, und 2 daheim. Einer dieser weggefallenen Gurus wäre die Hauptdarstellerin eines Kapitels gewesen, in dem sich die Hauptfigur des Buches zwischen dem Ende seiner Beziehung und dem Aufbruch nach Asien beinahe wieder verliebt hätte und sich dann auf ziemlich verrückte Weise erneut das Herz hat brechen lassen. Diese Episode ist so irre, dass man kaum glauben möchte, dass sie sich tatsächlich so zugetragen haben könnte.
Hat sie aber.
Umso schwerer fiel mir am Ende die Entscheidung, das Kapitel komplett aus dem Buch zu schmeissen. Denn ich habe mich dafür entschieden, mich ausschließlich auf die Ereignisse während des Asientrips zu konzentrieren. Weil das runder und in sich geschlossener wirkt. Die Heldenreise funktioniert auch ohne jenes Kapitel, das den Leser vermutlich komplett aus dem Setting und der Geschichte gerissen hätte. Was ebenfalls schwer wog: der Part war fast fertig geschrieben und ich hatte somit knapp 50 Seiten „umsonst“ verfasst.

Die zweite große Episode, die der Schere zum Opfer gefallen ist, wiegt sogar noch schwerer, denn in ihr hätte ich die Geschichte erzählt, wie das Buch zu seinem Namen gekommen ist. 
Vor meiner Abreise war ich bei einem Schamanen. Also so einem richtigen, mit langen weißen Haaren, Weisheit und Lebenserfahrung. Einem der Porsche fährt. Der hat mir nicht nur prophezeit, dass ich von meiner Reise auch wieder zurückkehren würde (was für mich zu diesem Zeitpunkt alles andere als klar war), sondern auch, dass ich erst dann wieder eine feste Partnerin fände. 
Deshalb hat es mich nicht ganz so sehr verwundert, als ich zurück in Deutschland schon ziemlich bald jemanden getroffen habe, mit der es recht schnell recht ernst wurde. Nennen wir sie Lara, lassen wir sie Musikerin sein und im fernen Wien leben. Ich lernte sie kennen, als sie gerade zu Besuch bei ihren Eltern in Rosenheim gewesen war, es hat gefunkt und aus der üblichen Liason wurde schnell mehr. Wenn auch nicht so viel mehr wie ich mir das das in meinem Wahn, mich endlich wieder zu binden, erhofft hätte. Lara war süß, wir verstanden uns prächtig, aber sie tat sich schwer, zu mir zu stehen und sich zu mir zu bekennen. Ein Phänomen übrigens, das mich auch in folgenden Techtelmechteln noch eine Zeitlang heimsuchen sollte (Ursache und Lösung gibts mal in einem separaten Blogbeitrag). Lara ist jedenfalls die unfreiwillige Taufpatin für mein neues Buch. Und das kam so: Nach etwa einem halben Jahr des Hin- und Hers, örtlich wie zwischenmenschlich, kam es zu einer schicksalhaften Aussprache, an der Lara mir an einem Frühlingsabend bei Sonnenuntergang und Entengeschnatter folgendes kundtat:

Ich habe für mich festgestellt, dass die klassischen Beziehungsmodelle für mich nicht funktionieren. Ich will keine Zukunft mit Dir, ich will nichts gemeinsam planen, ich will mein Leben so leben wie es im Moment ist. Frei, allein, offen. Ich will mich an niemanden binden, nur weil unsere archaischen Gesellschaftskonventionen das von uns erwarten. Ich mag Dich sehr und Du bist ein wunderbarer Mensch, nicht mehr und nicht weniger. Hör auf, alles durch einen Filter zu sehen. Du entscheidest, wie Du Dich fühlst. Lieben heißt nicht besitzen. Wenn Du Dich verliebst und das für Dich mit einer Exklusivität verbunden ist, ist es keine Liebe. Wenn ich alt bin will ich überall auf der Welt herumreisen und Menschen besuchen, die ich gern habe. Wenn Du das akzeptieren kannst, können wir beide eine wunderbare Zeit haben, so lange sie eben dauert. Ansonsten trennen sich unsere Wege.

Ich war damals noch nicht so weit, die Weisheit in diesen Worten zu erkennen und mein Ego wähnte sich mit Schrot durchlöchert. An jenem Abend saß ich noch lange zu Hause am kleinen Weiher im Garten meiner Eltern, in der Hand eine Flasche Wein, und badete im Selbstmitleid.
Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen.
Ich erinnere mich noch heute so klar an diesen Moment, an diese plötzliche Erkenntnis, als wäre es gestern erst passiert und nicht bereits zwei Jahre her. Mein Erweckungserlebnis in Indien lag noch keine 6 Monate zurück, da drohte ich schon wieder in bekannte Muster zurück zu fallen. Statt mich auf das zu konzentrieren, was ich in Asien gelernt hatte (was genau das ist müsst Ihr im Buch nachlesen), war ich drauf und dran, wieder in alte Fahrwasser zu geraten, mich alten Bequemlichkeiten hinzugeben. 
Schlagartig wurde mir bewusst, dass ich mit Lara genau das erhalten hatte, was ich gerade brauchte und nicht das, was ich wollte!
Was ich wollte war offensichtlich. Ablenkung. Ablenkung vom steinigen Weg raus aus dem ganzen Ego-Scheiss. Wieder jemand anderen für mein Glück verantwortlich zu machen.
Was ich brauchte war hingegen jemand, der mir den Kopf wieder gerade rückte. Liebevoll, aber drastisch. Und, weil alles andere vermutlich wenig gebracht hätte, mit dem Umweg über mein Herz. Dort hindrücken wo es wehtut, damit ich meine selbstgewebten Schleier erkenne und durchstoße. 
Und dann brach es genau so aus mir heraus, wie ich das im Buch im ersten Kapitel beschreibe.
„Du bist ein Arschloch“ schrie ich gen Nachthimmel und meinte damit keinen alten Mann mit weißem Rauschebart, sondern tatsächlich das Universum.
„Weiß ich“ antwortete es grinsend.

Die zentrale Erkenntnis jener Nacht, nämlich dass uns das Universum offensichtlich immer das zukommen lässt, was wir gerade brauchen und nicht das was wir wollen, ließ mich in den folgenden Tagen nicht mehr los und sie war der Geburtshelfer für meinen Entschluss, ein Buch zu schreiben. Über meine Reise, die physische durch Asien und die innere zu mir selbst. Denn im Nachhinein betrachtet traf die Erkenntnis auf so vieles zu, das ich den letzten Monaten erlebt hatte, dass es sich definitiv lohnen würde, das alles in eine Geschichte zu verpacken.

Lara habe ich übrigens nicht wiedergetroffen. Ich habe ihr von meinem Aha-Erlebnis erzählt, von meinem Beschluss, ein Buch zu schreiben und wie ich es nennen würde. Und ich habe mich bei Ihr für alles bedankt. Leider fand sich meine Idee nicht so dufte und vermutlich hatte sich auch ohne mich genug Dämonen, mit denen sie sich herumplagen musste, also ließen wir einander ziehen. 

Und nur wenig später habe ich ohnehin bereits den nächsten potentiellen Guru getroffen, von dem mehr lernen musste als ich zu jenem Zeitpunkt gewollte hatte (das Universum hat sich vor Lachen damals sicherlich den Bauch gehalten, das Arschloch).

Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit Stern* markiert.

Wishlist 0
Open wishlist page Continue shopping